Try-Out-Konzert, Zwingenberg

Musik auf Höchststufe hautnah erleben

Für die meisten der Musiker des Sinfonischen Jugendblasorchesters (SJBO) war es das erste Mal. Die Premiere des Try-Out-Konzertes, das erste Gemeinschaftskonzert mit dem Sinfonischen Landesblasorchester des Hessischen Turnverbandes und für die neuen Orchestermitglieder sogar das erste SJBO-Konzert überhaupt.

Das bedeutet Spannung pur – und auf das Kribbeln im Bauch folgen die Überraschungen. Das erste staunende Raunen ging schon auf der Anreise im Bus durch die Reihen: „Zwingenberg ist ja gar nicht so weit weg, wir sind gleich da!“ Samstagnachmittag. Die Location ist unscheinbar. Der Schriftzug auf dem rostroten Backsteinhaus verrät, dass das Orchester richtig ist: „Adlersaal“. Ein Schlagzeuger meint: „Das sieht ein bisschen aus wie eine alte Kneipe.“

Dann der Blick durch die Tür: Eine schmale Treppe führt ein paar Stufen hinauf in den Konzertsaal. Im Vorbeigehen, versuchen die jungen Musiker einen Blick zu erhaschen und werden erneut überrascht. Die nächste Frage ist: „Passen wir da alle rein?“ Das LBO Hessen hat bereits Platz genommen und nutzt die Zeit für eine Probe. Um die Arbeit des Dirigenten Dominik Koch nicht zu stören, nehmen einige Musiker des SJBO auf der Zuhörertribüne Platz. Wieder staunen sie.

Im zweiten Teil des abendlichen Konzertprogramms präsentiert das LBO Hessen das Werk „New Life“ von Maurice Hamers. Der holländische Komponist hört dem LBO Hessen beim Proben zu, schaut Dominik Koch über die Schulter und gibt den Musikern Tipps. „Der Komponist unterbricht das Orchester fast alle drei Takte“, stellt ein junger Musiker fest. An seinem Gesichtsausdruck kann man sehen, dass er selbst kaum glauben kann, was er im Saal gesehen hat. Seine Registerkollegen aus dem SJBO grinsen.

Dann nimmt das SJBO zur Anspielprobe auf der Bühne Platz. Stefan Kollmann lässt die jungen Musiker „Fanfare – Flight To The Unknown World“ von Satoshi Yagisawa anspielen, bricht jedoch bald wieder ab. Dabei verrät der Blick des Dirigenten, dass er es bereits geahnt hatte. Die halbe Lautstärke hätte genügt, um den Adlersaal zum Beben zu bringen.

An diesem Abend gilt es, die Energie wohl überlegt zu dosieren, um die musikalischen Emotionen auch auf engem Raum für die Zuhörer erlebbar zu machen. Eine Herausforderung, der sich die 75 Musiker des SJBO im ersten Programmteil annahmen. Ihre Umsetzung ist gelungen. Susanne Bader, musikalische Assistentin des Dirigenten, lobt das Orchester später: „Klasse, wie ihr euch fordern lasst und mitzieht und dabei immer mehr Musik entsteht!“

 

5. Wettbewerb für Auswahlorchester

Siegen, hervorragend!

Die Jury prämierte Stefan Kollmanns Orchester mit dem zweiten Platz (90,5 Punkte) und dem Prädikat „hervorragender Erfolg“. Als bestes Jugendorchester in der Kategorie der Auswahlorchester auf Kreisebene hatten die Musiker des SJBO allen Grund zum Feiern und durften sich auch beim Preisträgerkonzert zum Abschluss des Wettbewerbswochenendes präsentieren.

Mit dem Wettbewerbsprogramm schaffte der musikalische Leiter des SJBO bewusst Kontraste: Das Werk des amerikanischen Komponisten Joseph T. Spaniola trägt den Titel „Escapade“. Diese einzigartige Beschreibung des Lebens passt zu den 70 jungen Musikern. Beeinflusst wird das Werk von verschiedensten Stilen. Spaniola vereint Klassische Musik aus dem 20. Jahrhundert mit Formen der Neuen Musik, Walzer und sogar Funk. So rauscht das Leben auf unerwartete Ziele zu, sprüht auf dieser Reise von jugendlicher Freude und Kraft und garantiert große Emotionen.

In „Paris Sketches“ beschreibt Martin Ellerby besondere Orte und Stimmungen der französischen Hauptstadt. Das Erwachen in der Morgensonne wird untermalt vom Klang der Morgenglocke und Zitaten von Maurice Ravel und Gustav Mahler. Vom Stress und Hektik gepackt werden die Zuhörer im Pariser Vergnügungsviertel „Pigalle“, bevor die Atmosphäre in Nostalgie und Feinfühligkeit wechselt. „Père Lachaise“, der berühmte Friedhof, wird beschrieben mit Zitaten des französischen Komponisten Erik Satie. Im triumphierenden Höhepunkt des vierten Satzes „Les Halles“ zitiert Ellerby das Te Deum von Hector Berlioz.